Vollversammlung Nachfolge, Neubau, Neustart: Handwerk stellt die Weichen
Die Vollversammlung der Handwerkskammer Trier hat gezeigt, wo das regionale Handwerk steht und wohin es will. Mit Michael Ebling war erstmals der neue Wirtschaftsminister des Landes zu Gast. Der wurde gleich zu Beginn in die Pflicht genommen: „Sie haben einen Korb voller Aufgaben“, sagte HWK-Präsident Bernd Elsen. „Das Land und die Wirtschaft warten auf den Aufbruch: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, ein wirksamer Bau-Turbo und bessere Infrastruktur.“ Das Handwerk stehe bereit, „mit Rat und Tat“.
Ebling nahm den Ball auf und sagte: „Das Handwerk ist Motor, Stabilität und Anker.“ Er kündigte an, die Rahmenbedingungen gemeinsam verbessern zu wollen. Ziel sei es, „Leben und Arbeit zusammenzubringen“ – etwas, das im Handwerk seit jeher gelebt werde. Der neue Minister zeigte sich zudem beeindruckt vom Campus Handwerk: „Er repräsentiert das Handwerk, ist attraktiv für junge Menschen und passt zu Trier als traditionsreichem Oberzentrum.“
Auch inhaltlich ging es im Handwerkergremium zur Sache. Zu den wichtigsten Beschlüssen gehörte die Einführung einer ÜLU‑Umlage. Ein Thema, das aus der Mitte der Vollversammlung angestoßen wurde und jetzt einstimmig verabschiedet wurde. Der Gedanke dahinter ist einfach: Die Kosten der Ausbildung sollen gerechter verteilt werden. Bislang bilden nur wenige Betriebe aus, tragen aber einen Großteil der Last. „Die ausbildenden Betriebe müssen für ihre Ausbildungsleistung einen finanziellen Ausgleich erhalten“, betonte Elsen. „Genau dafür steht die ÜLU‑Umlage.“ Zwei Jahre lang hatten Gremien und Verwaltung an einem tragfähigen Modell gearbeitet. Jetzt ist es beschlossen.
Der zweite große Beschluss war die Zukunft des Campus Bau in Kenn. Mit der neuen Ausbildungsordnung für 19 Bauberufe steigen die Anforderungen deutlich. Klar ist: Ohne Ausbau geht es nicht. „Sonst platzt der Bauhof aus allen Nähten“, sagte Campus-Bau-Chef Thomas Sandner. Die Vollversammlung gab grünes Licht für den Erwerb. Gleichzeitig entsteht die Gelegenheit, den bestehenden Campus zu modernisieren. „Das ist ein Meilenstein für die Standortsicherung in Kenn“, sagte Elsen.
Neben diesen Entscheidungen gab es einen Blick auf die wirtschaftliche Lage im regionalen Handwerk. Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf ordnete ein: „Wir sprechen nicht von einem Absturz, sondern von einer Wachstumsdelle auf hohem Niveau.“ Rund 77 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder zufriedenstellend, die Erwartungen bleiben verhalten optimistisch. Gleichzeitig wachsen Unsicherheiten – steigende Kosten, internationale Risiken und eine schwächere Investitionsbereitschaft bremsen. Stabil bleibt das Handwerk dennoch, gerade im Vergleich zu anderen Branchen. „Am Ende zählt nicht das Versprechen, sondern die Umsetzung“, mahnte Bettendorf mit Blick auf den Koalitionsvertrag. Viele Forderungen des Handwerks seien darin enthalten. Jetzt komme es darauf an, sie auch umzusetzen.
Im Zuge der Diskussion über aktuelle Herausforderungen der künstlichen Intelligenz sagte Bettendorf: „Viele Berufe diskutieren derzeit darüber, ob KI sie ersetzen kann“ und fügte augenzwinkernd hinzu: „Beim Dachdecken im Regen, beim Fliesenlegen im Bad oder beim Reparieren einer Heizungsanlage hat die KI dagegen bislang eher überschaubare Fortschritte gemacht.“
Großes Thema bleibt auch die Herausforderung des Fachkräftemangels. Tausende Kräfte fehlen in der Region, viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Gleichzeitig gibt es Lichtblicke: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge liegt aktuell rund zehn Prozent über dem Vorjahr. Mehr als 600 Stellen sind dennoch unbesetzt. Die Botschaft ist klar: Das Handwerk bleibt dran – in Schulen, auf Messen und bei Aktionen wie der Ausbildungsmesse „Chance Handwerk“ am 8. November in der HWK.
Am Ende stand ein Fazit mit klarer Botschaft für die kommenden Monate: Das Handwerk ist stabil, aber es braucht Rückenwind. „Uns eint das Ziel, das Handwerk voranzubringen“, betonte Elsen. Die Vollversammlung hat dafür wichtige Weichen gestellt. Jetzt kommt es darauf an, dass Politik und Praxis gemeinsam Tempo aufnehmen.